{"id":159,"date":"2019-12-05T17:03:32","date_gmt":"2019-12-05T16:03:32","guid":{"rendered":"http:\/\/sidesteps.home.blog\/?p=159"},"modified":"2020-04-03T09:26:52","modified_gmt":"2020-04-03T09:26:52","slug":"von-hier-digitales-geheischnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/?p=159","title":{"rendered":"Digitales Geheischnis"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Oder: Ist das Saarland noch zu retten?  <\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ein Ausblick in die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts an der Saar<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/saarpoly3.jpg?w=900\" alt=\"\" class=\"wp-image-163\" width=\"814\" height=\"606\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcrchten die Saarl\u00e4nder wirklich nichts mehr als Ver\u00e4nderung? Sicher, die Saarl\u00e4nder m\u00f6gen es bescheiden. Sie sind gerne zufrieden. Das ber\u00fchmte Wort des \u201eGeheischnis\u201c ist eine wunderbare, sympathische, geradezu lautmalerische Beschreibung f\u00fcr diesen Zustand Im \u201eHier und Jetzt\u201c der Verh\u00e4ltnisse, ungest\u00f6rt, harmonisch und mit sich im Reinen. Aber wie lange wird das noch so bleiben? Oder ist es schon l\u00e4ngst nicht mehr so?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das hektische Berliner Gro\u00dfstadtleben oder die wuselige Betriebsamkeit internationaler Metropolen von New York bis Bangkok schauen sich die Saarl\u00e4nder gerne einmal an: als Besucher! Zu Hause soll es aber bittesch\u00f6n gem\u00fctlicher zugehen. Und dorthin kehrt man mindestens so gerne zur\u00fcck wie man verreist. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist diese saarl\u00e4ndische Distanz zur Dynamik eine historische Reaktion auf allzu bewegte Zeiten in der Region im Laufe der letzten 200 Jahre. Die Kohle und der Stahl machten das Saarland zu einem begehrten Landstrich. Die Menschen an der Saar f\u00fchlten sich dabei oft nur als Verschiebemasse, Untertanen, Werkt\u00e4tige und waren im seltensten Fall Akteure. Insgesamt achtmal mussten die Saarl\u00e4nderinnen und Saarl\u00e4nder in diesen beiden letzten Jahrhunderten ihren Pass wechseln, ohne daf\u00fcr ein einziges Mal ihr Dorf zu verlassen. An den jeweiligen Grenzen des Saarreviers fielen oft die ersten oder die letzten Sch\u00fcsse kriegerischer Auseinandersetzungen, insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich. Evakuierungen, also die tempor\u00e4re Zwangsumsiedlung von Teilen der Bev\u00f6lkerung in ihr fremde Regionen Deutschlands \u2013 ob ins Rheinland oder nach Th\u00fcringen \u2013 blieben im kollektiven Ged\u00e4chtnis der Saarl\u00e4nder mit \u00fcberwiegend negativer Konnotation haften, zumal Reisen aus diesem Anlass und zu jenen Zeiten nichts von spannendem Abenteuer hatte und manch einer und eine noch heute von der gelegentlich sehr distanzierten Aufnahme der Saar-Fl\u00fcchtlinge zu berichten wei\u00df. So wurde schlie\u00dflich aus dem institutionellen \u201eHeim ins Reich\u201c vom Saar-Anschluss 1935 ein pers\u00f6nliches \u201eNix wie Hemm an die Saar\u201c nach den finalen Irrungen von mindestens zwei Jahrhunderten am Ende des zweiten Weltkrieges.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber damit waren die Ver\u00e4nderungen l\u00e4ngst nicht vorbei. Zwar lebt das Saarland seitdem in gesegnetem Frieden, der in der Mitte Europas dank der Einsicht, Weitsicht und der Vers\u00f6hnungsbereitschaft einer Handvoll Politiker in Frankreich, Deutschland und einigen Nachbarstaaten Einzug hielt und dank dieses \u00fcberzeugenden Erbes von allen bisher folgenden Politikergenerationen bewahrt wird. Aber der letzte Passwechsel der Saarl\u00e4nder \u2013 nach der \u201ekleinen Wiedervereinigung\u201c 1957 \u2013 liegt gerade erst rund sechzig Jahre zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Was folgte, waren zum Gl\u00fcck keine gewaltvollen Ver\u00e4nderungen, aber stetige \u00f6konomische Herausforderungen. Ein Strukturwandel jagte den n\u00e4chsten. Von der Stahlkrise der siebziger und achtziger Jahre bis zum Kohle-Aus im neuen Jahrtausend. Nun waren es nicht mehr Kriege, die die Sicherheiten des Lebens in Unordnung brachten, sondern \u00f6konomische Entwicklungen. Ein Leben lang \u201eauf der H\u00fctt\u00b4\u201c oder im Bergwerk zu arbeiten und ansonsten von der Welt in Ruhe gelassen zu werden, erwies sich nur f\u00fcr maximal zwei Generationen nach dem zweiten Weltkrieg  als saarl\u00e4ndischer Paradieszustand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fordsls.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-165\"\/><figcaption>Der tiefgreifendste Wandel seit der Industrialisierung. Bahnhof Saarlouis.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nun steht die Autoindustrie mit all ihren mittelst\u00e4ndischen Zulieferern, die insbesondere den Bergbau als sichere H\u00e4fen der Arbeitspl\u00e4tze erfolgreich abgel\u00f6st hatte, vor ihrer gro\u00dfen Transformation. Hier hat es nicht mal mehr f\u00fcr zwei vollst\u00e4ndige Generationen Sicherheit gereicht. Dass Greta Thunberg die franz\u00f6sischen und deutschen Gener\u00e4le als Unruhestifterin abgel\u00f6st haben soll, schie\u00dft aber an der ganzen Wahrheit vorbei. Es ist vielmehr das kollektive Versagen der deutschen Autobosse angesichts absehbarer Transformationen und Innovationen in Sachen Mobilit\u00e4t. Und der Luxus, den sich  Deutschland geleistet hat, sp\u00e4testens nach Gerhard Schr\u00f6der keine strategische Industriepolitik mehr gemacht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Um es an einem schlichten Beispiel zu erl\u00e4utern: vor zehn Jahren kauften Chinesen deutsche Autos, weil sie cool aussahen und wegen der beeindruckenden Technik rund um den Antrieb und die Applikationen im Cockpit, die den Fahrspa\u00df potenzierten. Heute kaufen Chinesen deutsche Autos, weil sie immer noch cool aussehen und die Marken einen Klang haben. Und sie f\u00e4llen ihre Kaufentscheidung <strong>trotz<\/strong> der &#8211; aus ihrer Sicht &#8211; antiquierten Antriebstechnik und trotz der im Vergleich zu den heimischen Marken antiquierten Applikationen. Oder eben nicht. Zunehmend.<\/p>\n\n\n\n<p>Klima- und Umweltaspekte beeinflussen die Entwicklung unserer Mobilit\u00e4t zweifelsohne erheblich und beschleunigen den Wandlungsprozess. Aber sie sind in Wahrheit nicht urs\u00e4chlich f\u00fcr die Fortbewegungsver\u00e4nderungen, die uns im neuen Jahrzehnt bevorstehen. Die w\u00e4ren auch ohne Klimadiskussion gekommen. Denn ein Verbrennungsmotor ist auch ganz ohne CO2-Belastung angesichts all der Innovationen bei der Antriebstechnik eigentlich heute schon ziemlich \u201eold school\u201c. Ein eigenes Auto wird angesichts von Digitalisierung, shared-infrastructure-Modellen, Verkehrsaufkommen und Kosten in naher Zukunft eher unter \u201enice to have\u201c als unter unbedingt notwendigem Equipment verbucht werden. Und Selbstfahren &#8211; wom\u00f6glich noch in einem Auto, dessen Navigationssystem auf drei Jahre alten CDs beruht und bei dem man verzweifelt jeden Morgen aufs Neue versuchen muss, sein Mobiltelefon zu koppeln &#8211; wird der Generation meiner Kinder etwa so entfernt vorkommen wie der meinen die Zeit, als nicht jeder \u00fcber ein Auto verf\u00fcgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts, die in wenigen Tagen beginnen, werden daher \u2013 nicht nur beim Thema Mobilit\u00e4t &#8211; von nicht weniger als dem tiefgreifendsten Strukturwandel des Wirtschaftsstandortes Deutschland seit Beginn der Industrialisierung gepr\u00e4gt sein. Unsere Wirtschaft wird sich in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit, Tiefe und Breite enormen Herausforderungen stellen m\u00fcssen. Ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit wird von neuen Formen der Mobilit\u00e4t, Digitalisierung von Produkten und Produktionen, KI und neuen Formen fairer internationaler Wertsch\u00f6pfungsketten abh\u00e4ngen. F\u00fcr diesen Transformationsprozess ist eigentlich eine nachhaltige und aktive Industrie- und Investitionspolitik erforderlich. Und es werden daf\u00fcr ausreichend Fachkr\u00e4fte &#8211; durch Aus- und Fortbildung sowie Zuzug &#8211; in den Betrieben und in neuen Formen von crossinnovativer Arbeit gebraucht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/iaaslt.jpg?w=839\" alt=\"\" class=\"wp-image-181\"\/><figcaption>&#8222;Papa musste fr\u00fcher noch selbst fahren. Und hatte ein Navi mit CDs.&#8220; IAA Frankfurt.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Das alles wird auch und gerade im neuen Jahrzehnt f\u00fcr das Saarland gelten. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens das Jahr 2019 \u2013 mit all den tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen Hiobsbotschaften von Halberg Guss \u00fcber Saarstahl und Ford bis hin zu ZF &#8211; hat den Menschen an der Saar schmerzhaft die dringende Notwendigkeit einer neuen Phase des Strukturwandels offenbart. Dabei stehen wir nicht mal besonders \u201eblank\u201c dar. Die schichtgew\u00f6hnte Arbeitnehmerschaft und die exzellente Forschungslandschaft sind nur die beiden \u00e4u\u00dferen Pole der Substanz, die in unserem kleinen L\u00e4ndchen steckt. Ja, und gerade die Gr\u00f6\u00dfe und \u00dcbersichtlichkeit des Saarlandes kann in einer Transformationssituation zum Vorteil werden. Der Dreiklang aus immer noch vorhandenen starken und gro\u00dfen Produktionsst\u00e4tten, vitalem Mittelstand und einer exzellenten Hochschul- und Forschungslandschaft auf engstem Raum macht das Land eigentlich interessant: f\u00fcr Innovationsf\u00f6rderung, f\u00fcr Studierende, f\u00fcr Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Stellschrauben m\u00fcssen daf\u00fcr aber von den f\u00fcr ihre pragmatische Kompetenz bekannten saarl\u00e4ndischen Heimwerkern richtig angedreht werden. Ich will dazu hier in meinem Blog kein politisches Programm niederschreiben. Das k\u00f6nnen andere besser, das kann ich mit anderen an anderer Stelle besser.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/sbsrise.jpg?w=1024\" alt=\"\" class=\"wp-image-166\"\/><figcaption>&#8222;Hoffentlich wird es nicht so schlimm.&#8220;  Saarbr\u00fccker Blick in den Sonnenaufgang. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Mir geht es hier um die nach meiner Auffassung wichtigste Stellschraube oder besser die Klammer: Die Mentalit\u00e4t im Saarland.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bescheidenheit und Zufriedenheit machen die Saarl\u00e4nder zu sympathischen Zeitgenossen. Als jemand, der fast zehn Jahre in Berlin gelebt hat, sch\u00e4tze ich den immer noch deutlich entspannteren saarl\u00e4ndischen Alltag nach meiner R\u00fcckkehr inzwischen viel mehr als vorher. Der saarl\u00e4ndische Zusammenhalt zwischen Familienbande, spontaner Nachbarschaftshilfe und organisiertem Vereinsleben, zwischen unternehmerischer Verantwortung und gewerkschaftlicher Weitsicht und der relativen N\u00e4he zu politischen Akteuren ist zu Recht sprichw\u00f6rtlich. Das alles ist bewahrenswert, aber darf nicht als Vorwand dienen, um die Dynamik der Transformation zu verschlafen. Die Herausforderung ist n\u00e4mlich, sowohl das \u201eGeheischnis\u201c zu bewahren als auch Ver\u00e4nderungen zu gestalten. Und ehrlich gesagt: wenn das Saarland nicht aktiv mitgestaltet, wird in absehbarer Zeit auch das \u201eGeheischnis\u201c in absteigenden Verteilungsk\u00e4mpfen verschwinden. Wer also will, dass das Saarland so bleibt, wie es ist, der wird es ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Wer im Saarland Ver\u00e4nderung nicht gestalten will, der wird das Geheischnis, also das was er eigentlich unver\u00e4ndert bewahren will, zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00e4nderungsbereitschaft kann aber nicht verordnet werden. Ver\u00e4nderungsf\u00e4higkeit beruht auf Einsicht in ihre Notwendigkeit und Aussicht auf ihren Erfolg. Ver\u00e4nderung muss als Ausbruch aus dem Gef\u00e4ngnis begrenzter M\u00f6glichkeiten und nicht als Einbruch in gewohnte Verh\u00e4ltnisse gesehen werden. F\u00e4llt das den historisch ver\u00e4nderungsgeplagten Saarl\u00e4ndern m\u00f6glicherweise besonders schwer?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Sohn soll es einmal besser haben als ich\u201c war das Lebensleitmotiv meines saarl\u00e4ndischen Vaters und kann als die Leitmotivation seiner Nachkriegsgeneration angesehen werden. Gibt es dieses Motiv heute noch? Oder m\u00fcsste der Satz heute eher lauten: \u201eHoffentlich wird es f\u00fcr meine Kinder nicht so schlimm, wie ich es bef\u00fcrchte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Empfinde ich diese deutsche, diese saarl\u00e4ndische Zukunftsskepsis nur so oder gibt es diese Tendenz tats\u00e4chlich? \u201eEs geht uns noch viel zu gut\u201c ist jedenfalls nach meiner Einsch\u00e4tzung ein denkbar schlechtes Narrativ, um von Ver\u00e4nderungsnotwendigkeiten zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielmehr muss es darum gehen, die Perspektiven und Ziele klar auszusprechen, auch auf die Gefahr hin, daran gemessen zu werden und daran zu scheitern. Was wird sich ver\u00e4ndern? Wo sind dabei unsere Chancen und die unserer Kinder? Es muss darum gehen, Ma\u00dfnahmen zu benennen und zu erkl\u00e4ren. Und: es muss um \u201eSicherheit im Wandel\u201c gehen, f\u00fcr die Regierung und Unternehmen mindestens Verantwortung und bestenfalls Garantien \u00fcbernehmen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als leidgepr\u00fcfter Sozialdemokrat wei\u00df ich auf jeden Fall, wie die Vermittlung von Ver\u00e4nderungsnotwendigkeiten nicht funktioniert. Noch heute leidet die SPD n\u00e4mlich vor allem unter dem fehlenden Narrativ, der fehlenden Erkl\u00e4rung von Zielen der sogenannten \u201eAgenda 2010\u201c. So hat man es geschafft, aus einer \u2013 r\u00fcckblickend \u00f6konomisch zutiefst erfolgreichen \u2013 Ver\u00e4nderung ein ewiges Menetekel zu machen. Daran sollte sich das Saarland ein Beispiel nehmen \u2013 wie es nicht geht, wohlgemerkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00e4nderung wird nie erfolgreich sein, wenn sie nur der Spirit von wenigen ist. Nat\u00fcrlich braucht es welche, die vorangehen. Aber es braucht auch die \u00dcberzeugung und das Mitwirken der Vielen. Die Totalverweigerer d\u00fcrfen nicht der Ma\u00dfstab sein, aber auf \u00dcberzeugungsarbeit k\u00f6nnen diejenigen, die selbst von notwendigen Ver\u00e4nderungen \u00fcberzeugt sind, nicht verzichten. Und das gilt eben nicht nur f\u00fcr die Politik, sondern auch f\u00fcr die Akteure im Wirtschaftsleben: Unternehmensleitungen, Gewerkschaften, Betriebsr\u00e4te, Verb\u00e4nde. \u00c4ngste k\u00f6nnen dabei als produktives Korrektiv genutzt werden, aber nicht als Begr\u00fcndung, es erst gar nicht zu versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Saarland muss das Werben f\u00fcr Ver\u00e4nderungen vor allem an dem Punkt ansetzen, bei dem sich ein aktiver Prozess unterscheidet von der Ver\u00e4nderungserfahrung der Saarl\u00e4nderinnen und Saarl\u00e4nder in den letzten 200 Jahren. Das waren n\u00e4mlich fast ausnahmslos Ver\u00e4nderungen, die von au\u00dfen f\u00fcr das Land und seine Menschen entschieden und vollzogen wurden. Die Saarl\u00e4nder wurden ver\u00e4ndert und ver\u00e4nderten sich und ihr Land nicht aktiv selbst. Sie bekamen neue P\u00e4sse, sie wurden evakuiert, sie mussten die Jobs wechseln. Nicht einmal die beiden Plebiszite \u00fcber die Zugeh\u00f6rigkeit des Saarlandes zu Deutschland bzw. seine Unabh\u00e4ngigkeit wurden von den Saarl\u00e4ndern selbst politisch initiiert oder gefordert, sondern waren Ideen, die in Genf, Berlin, Br\u00fcssel, Paris oder Bonn geboren wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Chance f\u00fcr das Land und f\u00fcr alle, die sein Gemeinwesen, seine Wirtschaft, seine Menschen in die digitale Zukunft des 21. Jahrhunderts f\u00fchren, ist jetzt diesen Prozess aktiv zu gestalten. Und damit hat das Land nicht ewig Zeit. Verpasst man das \u201eMomentum\u201c, so wird die vorhandene Substanz nicht mehr ausreichend sein, um einen positiven Drive in diesen Ver\u00e4nderungsprozess zu bringen und er wird passiv und negativ sein und alle derzeitigen Sorgen vieler Saarl\u00e4nder werden sich best\u00e4tigen. Das hei\u00dft jedoch nicht, dass das kleine Saarland diese Ver\u00e4nderungen allein stemmen kann \u2013 ohne den Bund  oder die EU beispielsweise. Insofern ist es richtig, wenn die saarl\u00e4ndische Politik ihren Kolleginnen und Kollegen in Berlin und den Konzernzentralen zwischen K\u00f6ln und Friedrichshafen auf die Nerven geht mit der Forderung nach Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Transformationsprozesse vor Ort. Einen Plan zu haben und gro\u00dfe Teile der saarl\u00e4ndischen Gesellschaft hinter sich zu wissen, sind dabei wichtige Erfolgsvoraussetzungen auch f\u00fcr diese Interventionen au\u00dferhalb der Landesgrenzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSilicon Valley\u201c gibt es \u00fcbrigens schon. Und viel zu viele in Deutschland und anderswo haben schon versucht, sich dieses Etikett als Kopie aufzukleben. Nachhaltige Ver\u00e4nderung besteht aber niemals aus Kopieren, sondern immer aus Selbermachen. Wenn Wandel und Geheischnis im Saarland wirklich erfolgreich unter ein Dach gebracht werden, dann w\u00e4re unsere Region eher ein \u201eModern Social Valley\u201c \u2013 ein Ort, der digital ist und in dem sozialer Zusammenhalt gleichzeitig in der realen Welt erhalten bleibt. Vielleicht kann das die St\u00e4rke unseres kleinen Landes in einer neuen Welt werden und dabei helfen, das Saarland zum kleinsten, aber feinsten Ballungsraum jenseits der globalen Player um uns herum zu machen. Vernetzt mit der Welt und gepr\u00e4gt von ausgesprochener Willkommenskultur. Aktiv und nicht abwartend. Mutig nach vorne- statt verzagt zur\u00fcckblickend auf die angeblich \u201eguten alten Zeiten\u201c. Vielleicht f\u00fcrchten sich die Saarl\u00e4nder dann wirklich nicht vor Ver\u00e4nderung. Sondern freuen sich auf eine typisch saarl\u00e4ndische Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"967\" height=\"707\" src=\"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fenne.jpg?w=967\" alt=\"\" class=\"wp-image-167\" srcset=\"https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fenne.jpg 967w, https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fenne-300x219.jpg 300w, https:\/\/staging.saar-polygon.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fenne-768x562.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 967px) 100vw, 967px\" \/><figcaption> Der kleinste, aber feinste Ballungsraum. Wasserstoff aus Fenne? <\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort des \u201eGeheischnis\u201c Ist eine wunderbare, sympathische, geradezu lautmalerische Beschreibung f\u00fcr den Zustand Im \u201eHier und Jetzt\u201c der Verh\u00e4ltnisse: ungest\u00f6rt, harmonisch und mit sich im Reinen. Aber wie lange wird das noch so bleiben? 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